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Festa Junina: Brasiliens Junifest und wie du es hier feierst

Festa Junina erklärt: woher Brasiliens Junifest kommt, was Quadrilha und Quentão sind, wo der Nordosten feiert und wie du hier einen Arraiá findest.

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Im Juni beginnt in Brasilien der Winter, und trotzdem wird im ganzen Land draußen gefeiert. Über Straßen, Schulhöfe und Kirchplätze spannen sich Girlanden aus bunten Papierfähnchen, den bandeirinhas. In der Mitte brennt ein Feuer, aus den Boxen kommt Forró, an den Ständen gibt es Maiskolben und heißen Ingwerschnaps.

So sieht eine Festa Junina aus. Ihr wichtigster Tag ist der 24. Juni, der Johannistag. Den kennst du auch aus Deutschland, mancherorts sogar mit Johannisfeuer.

Die Festa Junina stammt aus dem europäischen Mittsommer

Sonnwendfeuer haben in Europa vermutlich vorchristliche Wurzeln. Das Geburtsfest Johannes des Täufers liegt am 24. Juni, sechs Monate vor Weihnachten, und seit dem Mittelalter trat das Johannisfeuer immer mehr an die Stelle des alten Sonnwendfeuers. Gefeiert wird vor allem in der Nacht davor, der Johannisnacht vom 23. auf den 24. Juni.

In Portugal gehören die Junifeste zu den Santos Populares. In Porto ist die Johannisnacht das große Volksfest der Stadt. Man klopft sich mit Lauchstangen auf den Kopf, seit den 1970er Jahren vor allem mit Plastikhämmern. Dazu kauft man manjerico, kleinblättriges Basilikum im Topf mit einem Vers, isst gegrillte Sardinen und schaut um Mitternacht das Feuerwerk über dem Douro an.

Mit den Portugiesen kam das Fest nach Brasilien. Der Jesuit Fernão Cardim beschrieb im späten 16. Jahrhundert, wie in den Dörfern Bahias zum São João überall Feuer brannten und die indigenen Bewohner begeistert darübersprangen. Auf der Südhalbkugel wurde aus dem Sommerfest ein Winterfest.

Ein Monat, drei Heilige

Santo Antônio hat seinen Tag am 13. Juni, São João am 24. Juni, São Pedro am 29. Juni. Antônio gilt als Heiratsvermittler, als santo casamenteiro. Nach altem Brauch nehmen junge Frauen seiner Figur das Jesuskind weg und geben es erst zurück, wenn sich ein Ehemann gefunden hat. Campina Grande richtet an seinem Tag im Parque do Povo sogar eine Sammelhochzeit aus, den casamento coletivo.

São Pedro ist der Patron der Fischer, mancherorts wird er mit Bootsprozessionen geehrt. In São Luís im Bundesstaat Maranhão kommt am 30. Juni noch São Marçal dazu, mit einem großen Treffen der Bumba-meu-boi-Gruppen.

Im Nordosten fällt die Festzeit mit dem Ende der Regenzeit und der Maisernte zusammen. Man dankt São João für den Regen und isst, was gerade vom Feld kommt. Deshalb dreht sich auf dem Teller so viel um Mais. Im Süden und Südosten sind die Feste oft quermesses, also Gemeindefeste der Pfarreien mit Essensständen, Bingo und Spielen für Kinder.

Seit 2023 erkennt ein Bundesgesetz, die Lei nº 14.555, die festas juninas als Ausdruck der nationalen Kultur an. 2024 nahm die Lei nº 14.900 die quadrilhas juninas ausdrücklich in den Text auf. Die Grundformen des Forró (matrizes tradicionais do forró) hat die Kulturerbe-Behörde Iphan am 9. Dezember 2021 als immaterielles Kulturerbe Brasiliens eingetragen.

São João im Nordosten: Campina Grande und Caruaru

Am größten wird im Landesinneren des Nordostens gefeiert, und zwei Städte streiten um den Titel. Campina Grande in Paraíba wirbt mit „O Maior São João do Mundo“, dem größten São João der Welt. 1983 legte die Stadt das Fest auf dem Gelände des heutigen Parque do Povo zusammen, inzwischen dauert es rund einen Monat. In den drei Ilhas de Forró spielen ausschließlich Trios mit Akkordeon (sanfona), großer Trommel (zabumba) und Triangel.

Caruaru in Pernambuco nennt sich Capital do Forró. Zentrum ist seit 1995 der Pátio de Eventos Luiz Gonzaga, meist Pátio do Forró genannt, benannt nach dem „König des Baião“. Die Zeitung Diário Catarinense berichtete 2011 von rund 1,5 Millionen Besuchern in 30 Festtagen und von einem Eintrag im Guinness-Buch als größtes regionales Freiluftfest. Wer im Juni hinreist, sollte die Unterkunft in beiden Städten früh buchen.

Quadrilha: ein Hoftanz im Karohemd

Der Tanz des Festes ist die quadrilha, und der Name verrät die Herkunft: die französische Quadrille, im 19. Jahrhundert ein Gesellschaftstanz für vier Paare im Rechteck. Laut dem Volkskundler Luís da Câmara Cascudo brachten französische Tanzkapellmeister sie in der Regentschaftszeit (1831 bis 1840) nach Brasilien. Vom Kaiserhof wanderte sie bis ins Hinterland, wurde dabei länger, und aus festen Figuren wurden gerufene Kommandos.

Diese Kommandos ruft ein Ansager, der marcador. Einige klingen noch französisch: „anarriê“ kommt von en arrière (zurück), „alavantu“ von en avant tous (alle nach vorn), „balancê“ von balancer. Im Mittelpunkt steht eine gespielte Bauernhochzeit, der casamento caipira, mit Braut, Bräutigam und Pfarrer. Heute treten Quadrilha-Gruppen mit einstudierten Choreografien in Wettbewerben gegeneinander an. Campina Grande hat 2024 dafür ein eigenes Quadrilhódromo eröffnet.

Zur Quadrilha gehört die Verkleidung als caipira, als Landbewohner: Männer mit Strohhut und kariertem Hemd, Frauen in Karokleidern mit aufgemalten Sommersprossen. In Brasilien ist das umstritten. Aufgemalte Zahnlücken und geflickte Kleider zeichnen den Landbewohner als ungeschickt und rückständig. Judas Tadeu de Campos nannte die Junifeste an Schulen in einem Fachaufsatz von 2007 deshalb „Lektionen in Vorurteilen“.

Das Essen: Mais, Erdnüsse und ein heißer Schnaps

Pamonha

Junge Maiskörner werden gerieben, mit Milch oder Kokosmilch, Zucker oder Salz und Butter gemischt, in die Hüllblätter des Kolbens gewickelt und gekocht. Der Name stammt aus dem Tupi: pa'muñã heißt „klebrig“. Pamonha gibt es süß und salzig. In Goiás füllt man die salzige gern mit Käse oder Wurst.

Canjica

Hier wird es verwirrend, denn das Wort meint je nach Region zwei verschiedene Gerichte. Im Süden und Südosten ist Canjica ein süßer Brei aus ganzen weißen Maiskörnern, in Milch mit Zucker, Zimt und Nelken gekocht. Im Nordosten heißt genau das mungunzá. Dort ist Canjica wiederum eine Creme aus grünem Mais, die man in São Paulo und Minas Gerais curau nennt. Wer mit Leuten aus verschiedenen Regionen feiert, hat damit sofort ein Streitthema.

Pé de moleque

Geröstete Erdnüsse in geschmolzener rapadura, dem brasilianischen Rohrzucker in Blockform, abgekühlt und in Stücke gebrochen. Wörtlich heißt der Name „Fuß des Bengels“. Eine Erklärung verweist auf das unregelmäßige Pflaster historischer Städte wie Paraty und Ouro Preto, das ebenfalls so hieß. Die andere auf Straßenverkäuferinnen, denen Jungen immer wieder Süßes klauten. Sie riefen ihnen zu: „Pede, moleque!“, also: Frag doch, Junge.

Quentão

Der Name ist die Vergrößerungsform von quente (heiß), und das Getränk ist für kalte Juninächte gedacht. Im Südosten und Nordosten kocht man Cachaça mit Ingwer, Zucker, Zimt und Nelken auf. Im Süden Brasiliens, wo viel Wein wächst, macht man ihn mit Rotwein. Für Kinder gibt es alkoholfreie Varianten mit Fruchtsaft und Ingwer.

Dazu kommen gekochte Maiskolben, Popcorn, Paçoca (gepresstes Erdnusskonfekt) und Maiskuchen. Im Landesinneren von São Paulo gehören auch Cuscuz paulista und die rot glasierten maçãs do amor dazu, die du vom Jahrmarkt als Liebesäpfel kennst.

Festa Junina in Deutschland

Hier fällt der Juni in den Sommer. Die Sonne geht spät unter, das Feuer brennt lange im Hellen, und heißer Quentão an einem warmen Abend ist Geschmackssache. Brasilianische Gruppen feiern trotzdem, im Juni oder im Juli, dann oft unter dem Namen festa julina.

Einen arraiá, so heißt der Festplatz, findest du am ehesten über brasilianische Kulturvereine, Capoeira-Gruppen, Forró-Gruppen, portugiesischsprachige Kirchengemeinden und brasilianische Restaurants in deiner Stadt. Die Termine stehen meist kurzfristig in deren Social-Media-Kanälen oder in Gruppen, die oft „Brasileiros em“ plus Stadtname heißen. Sobald Veranstalter ihre Junifeste eintragen, findest du sie auch in unserem Eventkalender.

Selbst feiern: das solltest du wissen

Bandeirinhas schneidest du aus buntem Papier und klebst sie an eine Schnur. Als Dresscode reichen Karohemd und Strohhut.

Eine Feuerschale ersetzt die fogueira. Ob du im Garten offenes Feuer machen darfst, regeln Länder und Gemeinden unterschiedlich. Frag im Zweifel beim Ordnungsamt nach.

Himmelslaternen sind tabu. In Brasilien ist es nach Art. 42 des Umweltstrafgesetzes (Lei nº 9.605/1998) eine Straftat, Ballons herzustellen, zu verkaufen, zu transportieren oder steigen zu lassen, die Brände auslösen können. Es drohen ein bis drei Jahre Haft, eine Geldstrafe oder beides. In Deutschland haben alle Bundesländer das Steigenlassen untersagt. Berlin verlangt formal eine Genehmigung, erteilt sie aber grundsätzlich nicht.

Kinder haben Spaß an der pescaria, dem Angeln nach Papierfischen, und am Ringewerfen auf Flaschenhälse. Für die Musik sorgen Luiz Gonzaga und Forró pé de serra mit Akkordeon, Zabumba und Triangel. Wie man dazu tanzt, steht in unserem Artikel Forró tanzen.

Zutaten bekommst du fast alle hier

Erdnüsse, Ingwer, Zimt, Nelken, Kokosmilch und Cachaça findest du im Supermarkt. Für Pé de moleque nimmst du Rapadura aus dem brasilianischen Laden oder Vollrohrzucker aus dem Bioladen. Weißen Mais für Canjica (auf der Packung milho para canjica oder milho branco) führen brasilianische und lateinamerikanische Läden und Onlineshops.

Am schwierigsten ist Pamonha. Du brauchst frische, junge Maiskolben mit intakten Hüllblättern, und die gibt es nur saisonal und nicht überall. Vakuumierte, vorgegarte Kolben taugen nicht, weil dir die Blätter zum Einwickeln fehlen. Curau gelingt dagegen auch mit Mais aus der Dose.

Häufige Fragen

Wann wird die Festa Junina gefeiert?

Den ganzen Juni über, mit Höhepunkten an den Tagen von Santo Antônio (13. Juni), São João (24. Juni) und São Pedro (29. Juni). Viele Feste ziehen sich bis in den Juli und heißen dann festa julina.

Was isst und trinkt man auf einer Festa Junina?

Vor allem Gerichte aus Mais wie Pamonha, Canjica, Curau, Maiskuchen und gekochte Kolben, dazu Erdnusssüßes wie Pé de moleque und Paçoca. Getrunken wird Quentão: heiße Cachaça mit Ingwer und Gewürzen, im Süden Brasiliens mit Rotwein.

Warum verkleiden sich alle als Bauern?

Die Festa Junina feiert das Leben auf dem Land. Karohemd, Strohhut und Karokleid stehen für den caipira, den Landbewohner aus dem Inneren Brasiliens, und passen zur gespielten Bauernhochzeit in der Quadrilha. In Brasilien wird allerdings kritisiert, dass die Verkleidung oft ein abwertendes Klischee bedient.

Quellen

Diese Quellen liegen dem Text zugrunde.

  1. Lei nº 14.555, de 25 de abril de 2023 (Planalto), mit Änderung durch Lei nº 14.900/2024, abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) planalto.gov.br
  2. Lei nº 9.605, de 12 de fevereiro de 1998, Art. 42 (Planalto), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) planalto.gov.br
  3. Iphan, Bens culturais registrados: Matrizes tradicionais do forró (Registro vom 09.12.2021), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) bcr.iphan.gov.br
  4. Diário Catarinense, 24.06.2011: Na maior festa de São João do mundo, público chega a 1,5 milhão de pessoas (Archivkopie), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) web.archive.org
  5. Judas Tadeu de Campos: Festas juninas nas escolas: lições de preconceitos, Educação & Sociedade 28 (99), 2007 (SciELO), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) scielo.br
  6. Festa junina no Brasil (Wikipédia), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  7. Festa Junina (Wikipedia, englisch), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) en.wikipedia.org
  8. António de Lisboa (Wikipédia), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  9. São João do Maranhão (Wikipédia), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  10. Quadrilha (dança) (Wikipédia), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  11. São João de Campina Grande (Wikipédia), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  12. São João de Caruaru (Wikipédia), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  13. Festa de São João do Porto (Wikipédia), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  14. Pamonha (Wikipédia), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  15. Mungunzá (Wikipédia), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  16. Curau (Wikipédia), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  17. Pé de moleque (Wikipédia), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  18. Quentão (Wikipédia), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  19. Forró (Wikipédia), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  20. Johannistag (Wikipedia), abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) de.wikipedia.org
  21. Himmelslaterne (Wikipedia), Abschnitt Deutschland, abgerufen am 28.09.2026 (öffnet in neuem Tab) de.wikipedia.org

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