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Brazilian Jiu-Jitsu: Geschichte, Gürtel und Einstieg

Brazilian Jiu-Jitsu von Maeda bis zur UFC: Gürtel und Mindestzeiten der IBJJF, Verbände in Deutschland und woran du eine gute Schule erkennst.

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Brazilian Jiu-Jitsu, kurz BJJ, ist ein Kampfsport, der fast vollständig am Boden stattfindet. Du versuchst, deinen Partner zu kontrollieren und ihn mit einem Hebel oder Würgegriff zur Aufgabe zu bringen. Schläge und Tritte gibt es nicht. Wer aufgibt, klopft ab, und die Runde ist vorbei.

Das klingt härter, als es sich anfühlt. Im Training lässt dein Partner los, sobald du abklopfst, und saubere Technik gleicht einiges an Gewicht aus. Wer in Deutschland einsteigen will, hat es neben der Matte aber auch mit Verbänden, Gürtelregeln und Verträgen zu tun. Das meiste davon lässt sich vor dem ersten Probetraining klären.

Mit Capoeira, der anderen bekannten Kampfkunst aus Brasilien, hat BJJ wenig gemeinsam. Dort gehören Musik, Gesang und die Roda dazu, im BJJ geht es um Kontrolle und Aufgabegriffe am Boden.

Brazilian Jiu-Jitsu stammt vom japanischen Judo ab

Die Geschichte beginnt mit Mitsuyo Maeda, geboren 1878 in der Präfektur Aomori. Ab 1897 trainierte er am Kodokan in Tokio, der Schule von Judo-Gründer Jigoro Kano, und gehörte dort bald zu den stärksten Kämpfern. Ende 1904 reiste er mit Tsunejiro Tomita in die USA, um Judo bekannt zu machen. Danach zog er jahrelang durch Europa und Lateinamerika und trat in offenen Herausforderungskämpfen gegen Ringer und Boxer an.

Seinen Kampfnamen fand er 1908 in Barcelona. Laut der japanischen Nationalbibliothek wollte er sich zuerst "Komaru Maeda" nennen, nach dem japanischen Wort komaru (in der Klemme sein), denn er war damals knapp bei Kasse. Übrig blieb "Koma", davor setzte er das spanische "Conde" (Graf).

1914 kam Maeda nach Brasilien, belegt sind unter anderem Auftritte in Santos. Ende 1915 zeigte er sich zum ersten Mal in Belém an der Amazonasmündung. Die Stadt wurde sein Zuhause, dort starb er im November 1941.

In Belém bat Gastão Gracie, Geschäftspartner eines Zirkus in der Stadt, den Japaner, seinen Sohn Carlos zu unterrichten. Wie lange Carlos tatsächlich bei Maeda trainierte, ist umstritten. Die japanische Nationalbibliothek nennt rund vier Jahre, andere Darstellungen sprechen von kurzer Zeit. Grundlage war in jedem Fall Maedas Kodokan-Judo, das in Brasilien damals oft noch Jiu-Jitsu hieß.

Die Gracies machen daraus ein eigenes System

Carlos Gracie, 1902 in Belém als ältestes von acht Kindern geboren, gab das Gelernte an seine Brüder weiter. Die Familie datiert die erste Gracie-Akademie in Rio de Janeiro auf 1925, so steht es auch bei der japanischen Nationalbibliothek. Zeitgenössische Quellen sprechen eher für 1930: Damals stiegen die Brüder in die Schule von Donato Pires in der Rua Marquês de Abrantes ein.

Hélio, Jahrgang 1913, war schmal gebaut. Nach der Familienüberlieferung passte er die Techniken deshalb an sich an: weniger Würfe, mehr Bodenkampf, Hebel statt Kraft. Daraus wurde, was lange "Gracie Jiu-Jitsu" hieß. Bekannt machte die Familie den Stil über öffentliche Herausforderungskämpfe gegen Vertreter anderer Kampfkünste.

Die Gracies waren aber nicht die einzige Linie. Luiz França soll ebenfalls bei Maeda gelernt haben, was der BJJ-Historiker Robert Drysdale allerdings bezweifelt. França unterrichtete in Rio Polizisten, Soldaten und arme Leute aus den Favelas. Sein bekanntester Schüler Oswaldo Fadda eröffnete im Januar 1950 eine Akademie im Vorort Bento Ribeiro. Fadda und seine Leute wurden für ihre Fußhebel bekannt, die damals als Technik von Vorstadtkämpfern belächelt wurden.

Der Durchbruch kam 1993 mit der UFC

Am 12. November 1993 fand in Denver die erste Ultimate Fighting Championship statt, gegründet von Rorion Gracie und Art Davie. Gewichtsklassen gab es nicht. Rorions jüngerer Bruder Royce, leichter als die meisten Gegner, gewann alle drei Kämpfe des Abends durch Aufgabe. Keiner davon dauerte länger als zweieinhalb Minuten.

Parallel bekam der Sport feste Strukturen. 1994 gründete Carlos Gracie Jr. die Confederação Brasileira de Jiu-Jitsu (CBJJ), 2002 folgte die International Brazilian Jiu-Jitsu Federation (IBJJF) mit Sitz in Rio de Janeiro. Die IBJJF richtet unter anderem die Weltmeisterschaft aus und legt ein Graduierungssystem fest, auf das sich die folgenden Angaben beziehen.

Das Gürtelsystem verlangt Geduld

Erwachsene durchlaufen bei der IBJJF diese Gürtel: Weiß, Blau, Lila, Braun, Schwarz. Weiß bis Braun sind in vier Grade unterteilt, sichtbar als Streifen am Gürtelende. Der Schwarzgurt hat sechs Grade, danach folgen Rot-Schwarz (7. Grad), Rot-Weiß (8. Grad) und Rot (9. Grad). Den 10. Grad hat die IBJJF nur an die Pioniere Carlos, Oswaldo, George, Gastão und Hélio Gracie vergeben.

Für Erwachsene gelten laut dem Graduierungssystem der IBJJF (Fassung Juni 2026) diese Altersgrenzen und Mindestzeiten:

  • Blau: ab 16, mindestens 2 Jahre bis Lila
  • Lila: ab 16, mindestens 1,5 Jahre bis Braun
  • Braun: ab 18, mindestens 1 Jahr bis Schwarz
  • Schwarz: wegen der Zeit im Braungurt in der Regel frühestens mit 19

Beim Alter zählt nur das Geburtsjahr: Wer im laufenden Jahr 16 wird, gilt schon als 16. Die Mindestzeiten laufen ab dem Tag, an dem der jeweilige Gürtel bei der IBJJF registriert wurde.

Neu in der Fassung vom Juni 2026 ist nur eine Ausnahme beim Alter: Wer als Braungurt die Weltmeisterschaft der Erwachsenen gewinnt, darf schon mit 18 Schwarz tragen. Schon vorher galt, dass Weltmeister der Erwachsenen in Blau, Lila und Braun keine Mindestzeit im jeweiligen Gürtel erfüllen müssen. Für den normalen Trainingsalltag ändert das nichts.

Wann du den nächsten Gürtel bekommst, entscheidet dein Professor. Die IBJJF erkennt eine Graduierung aber nur an, wenn die Mindestzeiten eingehalten sind. Den schwarzen Gürtel darf nur ein Schwarzgurt mit mindestens zwei von der IBJJF zertifizierten Graden verleihen. Bei regelmäßigem Training dauert der Weg bis Schwarz im Schnitt rund zehn Jahre.

Kinder von 4 bis 15 Jahren tragen eigene Farben. Nach Weiß kommen Grau, Gelb, Orange und Grün, jeweils in drei Stufen: mit weißem Mittelstreifen, einfarbig und mit schwarzem Mittelstreifen. Grau ist ab 4 Jahren möglich, Gelb ab 7, Orange ab 10 und Grün ab 13. Mindestzeiten gibt es bei Kindern nicht. Mit 16 wechseln Jugendliche ins Erwachsenensystem. Aus Grau, Gelb oder Orange wird dann Blau, wer Grün trägt, bekommt je nach Entscheidung des Professors Blau oder Lila.

Gi und No-Gi sind zwei Varianten desselben Sports

Im Gi trainierst du im Anzug aus Jacke, Hose und Gürtel. Du darfst Kragen, Ärmel und Hosenbeine greifen, was viele Kontrolltechniken und Kragenwürger erst möglich macht. Für IBJJF-Turniere muss der Gi aus Baumwolle oder baumwollähnlichem Stoff sein. Erlaubt sind Weiß, Königsblau und Schwarz, Jacke und Hose in derselben Farbe.

Im No-Gi trägst du ein eng anliegendes Shirt (Rashguard) und Shorts, Griffe in die Kleidung sind verboten. Das Spiel wird schneller und rutschiger, Kontrolle an Handgelenken, Nacken und Beinen wird wichtiger. Die IBJJF verlangt ein Shirt in Schwarz, Weiß oder Schwarz-Weiß mit mindestens 10 Prozent Anteil der eigenen Gürtelfarbe oder ganz in der Gürtelfarbe. Die Shorts dürfen keine Taschen, Knöpfe oder Reißverschlüsse haben.

Laut DJJV wird BJJ in Training und Wettkampf in beiden Formen betrieben. Wenn du irgendwann auf ein Turnier willst, lies das Regelwerk des Veranstalters. Kleidungs- und Technikregeln unterscheiden sich zwischen den Verbänden.

Wer Brazilian Jiu-Jitsu in Deutschland organisiert

Einen einzigen BJJ-Verband gibt es in Deutschland nicht. Wichtig sind vor allem drei Adressen:

  • Deutscher Ju-Jutsu Verband (DJJV): Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund. Seit der Weltverband JJIF 2010 BJJ/Ne-Waza als Wettkampfform aufgenommen hat, ist der Stil nach und nach in den DJJV gekommen, heute gehört er dort fest dazu. DJJV, Landesverbände und Vereine bieten Lehrgänge, ein Prüfungsprogramm und Wettkämpfe im Breiten- und Leistungssport an. Die meisten Landesverbände haben eine eigene Ansprechperson für BJJ.
  • Brazilian Jiu-Jitsu Bund Deutschland e.V. (BJJBD): bezeichnet sich selbst als offiziellen Dachverband für BJJ in Deutschland und organisiert Wettkämpfe, Seminare und Kampfrichterlehrgänge.
  • IBJJF: Wer bei IBJJF-Turnieren starten will, braucht eine Mitgliedschaft. Den Antrag muss ein Schwarzgurt bestätigen, der als Professor bei der IBJJF registriert ist.

Frag deine Schule deshalb, mit welchem Verband sie arbeitet. Davon hängt ab, welche Turniere und Graduierungen für dich offenstehen.

Verein oder kommerzielles Gym

BJJ wird in Deutschland in zwei Formen angeboten. Kommerzielle Gyms arbeiten mit Verträgen und Monatsbeiträgen. Vereine haben eine Satzung und einen gewählten Vorstand, du wirst dort Mitglied statt Kunde.

Verwendet ein Gym vorformulierte Vertragsbedingungen (AGB), setzt dir § 309 Nr. 9 BGB einen Rahmen. Die erste Laufzeit darf höchstens zwei Jahre betragen, die Kündigungsfrist zum Ende dieser Laufzeit höchstens einen Monat. Verlängert sich der Vertrag stillschweigend, dann nur auf unbestimmte Zeit, und du kannst jederzeit mit höchstens einem Monat Frist kündigen. Im Verein regelt die Satzung den Austritt, nach § 39 BGB darf die Frist dort bis zu zwei Jahre betragen. Lies vor der Unterschrift also genau nach.

Viele Landessportbünde versichern ihre Vereine und deren Mitglieder über eine Sportversicherung, 15 Landessportbünde und Landessportverbände tun das über die ARAG. Was genau abgedeckt ist, erfährst du beim Verein. Eine Krankenversicherung ersetzt diese Versicherung nicht.

Woran du eine gute Schule erkennst

Nimm dir für die Suche zwei oder drei Probetrainings Zeit. Schulen, die bei uns eingetragen sind, findest du im Verzeichnis Brazilian Jiu-Jitsu in Deutschland. Klär vorher per Nachricht, ob du in Sportkleidung kommen kannst oder einen Leih-Gi bekommst. Beim Vergleich helfen diese Punkte:

  • Wer unterrichtet: Frag nach dem Gürtel des Headcoaches und nach seiner Linie, also wer ihn graduiert hat. Seriöse Trainer beantworten das ohne Umschweife.
  • Einstieg: Gut ist ein eigener Grundlagenkurs oder zumindest ein klarer Plan, ab wann du ins freie Sparring einsteigst, im BJJ "Rollen" genannt.
  • Sparringskultur: Schau eine Runde zu. Wer abklopft, wird sofort losgelassen, schwere und erfahrene Partner nehmen sich bei Anfängern zurück, und der Coach hat die Matte im Blick.
  • Hygiene: Die Matten werden täglich gereinigt, Straßenschuhe bleiben draußen, Gis kommen nach jedem Training in die Wäsche. Hautpilz ist in Kontaktsportarten ein bekanntes Problem, bei Ringern heißt er Tinea corporis gladiatorum. Mit Ausschlag setzt du aus, bis eine Ärztin oder ein Arzt draufgeschaut hat.
  • Vertrag: Probetraining ohne Bindung, eine klare Laufzeit und eine Kündigungsregel, die du beim ersten Lesen verstehst.
  • Kinderkurse: Frag nach einem Schutzkonzept. Der DJJV hat zum Beispiel ein eigenes Präventionskonzept gegen sexualisierte Gewalt.

Für das erste Training brauchst du wenig: Wasser, Badelatschen für den Weg von der Umkleide zur Matte und kurz geschnittene Finger- und Fußnägel. Lange Nägel hinterlassen beim Greifen Kratzer, und das merkt sich jeder Trainingspartner.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es bis zum schwarzen Gürtel im Brazilian Jiu-Jitsu?

Die IBJJF schreibt für Erwachsene Mindestzeiten vor: zwei Jahre im blauen, anderthalb Jahre im lila und ein Jahr im braunen Gürtel. Bei regelmäßigem Training sind es im Schnitt eher zehn Jahre. Wann du graduiert wirst, entscheidet dein Professor.

Ist Brazilian Jiu-Jitsu dasselbe wie Ju-Jutsu?

Nein. Der Deutsche Ju-Jutsu Verband beschreibt Ju-Jutsu als System für die praktische Selbstverteidigung, Jiu-Jitsu als traditionelle Selbstverteidigung und Brazilian Jiu-Jitsu als Weiterentwicklung mit Schwerpunkt Bodenkampf. Im DJJV sind alle drei Stilarten unter einem Dach organisiert.

Ab welchem Alter kann man mit BJJ anfangen?

Das Kindersystem der IBJJF beginnt mit 4 Jahren. Ab dem Jahr, in dem du 16 wirst, gilt das Erwachsenensystem. Nach oben gibt es keine Grenze, die IBJJF führt Masters-Klassen bis 61 Jahre und älter. Bei Vorerkrankungen sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Quellen

Diese Quellen liegen dem Text zugrunde.

  1. National Diet Library Japan: Undefeated Conde Koma who challenged the Amazon (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) ndl.go.jp
  2. IBJJF: General System of Graduation, Fassung vom 11.06.2026 (PDF über diese Seite, geprüft 07.10.2026) (öffnet in neuem Tab) ibjjf.com
  3. IBJJF: Uniform (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) ibjjf.com
  4. Deutscher Ju-Jutsu Verband: Brazilian Jiu-Jitsu (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) djjv.de
  5. Deutscher Ju-Jutsu Verband: Startseite, Mitgliedschaft im DOSB und Stilarten (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) djjv.de
  6. Brazilian Jiu-Jitsu Bund Deutschland e.V. (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) bjjb.de
  7. Bürgerliches Gesetzbuch, § 309 (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) gesetze-im-internet.de
  8. Bürgerliches Gesetzbuch, § 39 (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) gesetze-im-internet.de
  9. ARAG: Sportversicherung der Landessportbünde (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) arag.de
  10. Wikipedia (en): Mitsuyo Maeda (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) en.wikipedia.org
  11. Wikipedia (en): Carlos Gracie (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) en.wikipedia.org
  12. Wikipedia (en): Luiz França (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) en.wikipedia.org
  13. Wikipedia (pt): Oswaldo Fadda (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  14. Wikipedia (en): Brazilian jiu-jitsu (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) en.wikipedia.org
  15. Wikipedia (en): UFC 1 (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) en.wikipedia.org
  16. Wikipedia (pt): Confederação Brasileira de Jiu-Jitsu (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  17. Wikipedia (en): International Brazilian Jiu-Jitsu Federation (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) en.wikipedia.org
  18. Wikipedia (en): Tinea corporis (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) en.wikipedia.org

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