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Brasilianische Getränke: Guaraná, Cachaça, Mate, Cafezinho

Brasilianische Getränke von Guaraná bis Cachaça: Rezepte für Mate gelado, Cafezinho und Batida, dazu Bezugsquellen in Deutschland.

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Wer in Deutschland an brasilianische Getränke denkt, hat meist die Caipirinha vor Augen. Im brasilianischen Alltag steht mittags aber eher eine Guaraná-Limo auf dem Tisch, und nach dem Essen gibt es einen Cafezinho. Hier sind sechs Getränke mit Rezepten zum Nachmachen und Hinweisen, was du davon in Deutschland bekommst.

Guaraná ist Brasiliens eigene Limonade

Guaraná (Paullinia cupana) ist eine Kletterpflanze aus dem Amazonasgebiet. Angebaut wird sie vor allem in Maués im Bundesstaat Amazonas und in Bahia. Reife Früchte platzen auf, und die dunklen Samen im weißen Fruchtfleisch sehen aus wie Augen. Diese Samen enthalten von Natur aus Koffein.

In Brasilien trinkt man Guaraná fast immer als Limonade, den refrigerante de guaraná. Der Klassiker ist Guaraná Antarctica, 1921 in São Paulo auf den Markt gebracht und heute eine Marke des Getränkekonzerns Ambev. Die bekannteste Konkurrenz ist Kuat, das Coca-Cola 1997 eingeführt hat. Der Geschmack ist süß, leicht fruchtig und erinnert entfernt an Apfel.

Das brasilianische Getränkerecht hat dafür eine eigene Regel: Enthält ein alkoholfreies Getränk Guaranásamen, darf laut Dekret Nr. 12.709 von 2025 weder synthetisches Koffein noch Koffein aus anderen Pflanzen zugesetzt werden. Das Koffein stammt also nur aus dem Guaraná selbst. Getrunken wird die Limo zu Reis und Bohnen genauso wie zur Pizza.

Cachaça trägt einen geschützten Namen

Cachaça ist Brasiliens Nationalschnaps und die Basis der Caipirinha. Gebrannt wird sie aus vergorenem Zuckerrohrsaft. Rum entsteht nach brasilianischer Definition dagegen aus Melasse oder aus einer Mischung von Melasse- und Zuckerrohrsaftdestillat. Viele Cachaças haben deshalb einen grasigen, frischen Ton.

Der Name ist in Brasilien seit 2001 gesetzlich geschützt. Das Dekret Nr. 4.062 erklärt „Cachaça“, „Brasil“ und „Cachaça do Brasil“ zu geografischen Angaben, die nur Erzeuger mit Sitz in Brasilien verwenden dürfen. Die Einzelheiten regelt heute das Dekret Nr. 12.709 vom 31. Oktober 2025, das die frühere Getränkeverordnung (Dekret Nr. 6.871 von 2009) aufgehoben hat. Danach ist Cachaça die typische und exklusive Bezeichnung für in Brasilien erzeugten Zuckerrohrbrand mit 38 bis 48 % vol bei 20 °C. „Cachaça de alambique“ darf nur auf dem Etikett stehen, wenn ausschließlich in kupfernen Brennblasen destilliert wurde.

Seit dem 1. Mai 2026 wird das Interim-Handelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten vorläufig angewendet. Sein Anhang 13-B führt „Cachaça“ als geografische Angabe Brasiliens, dazu die Spirituosen-Herkunftsangaben Paraty, Região de Salinas und Microrregião Abaíra. Damit sind diese Namen auch in der EU geschützt.

Deutschland ist für Cachaça ein wichtiger Markt. Laut dem brasilianischen Branchenverband IBRAC war es 2022 mengenmäßig das größte Exportziel, vor Paraguay und den USA. Beim Exportwert lag Deutschland auf Platz zwei hinter den USA.

Für die Caipirinha nimmst du eine ungereifte, klare Cachaça. Gereifte Cachaça lagert in Holzfässern, neben Eiche auch in brasilianischen Hölzern wie Amburana, und wird pur aus kleinen Gläsern getrunken.

Caldo de cana kommt frisch aus der Walzenpresse

Caldo de cana, auch garapa genannt, ist der Saft aus gepressten Zuckerrohrstangen. Auf brasilianischen Wochenmärkten laufen die geschälten Stangen durch eine Walzenpresse, der Saft kommt mit Eis ins Glas, gern mit einem Spritzer Limette. Auf den Märkten in São Paulo isst man dazu oft einen frittierten Pastel.

Vergoren und gebrannt wird aus diesem Saft Cachaça. Frisch getrunken ist er sehr süß und schmeckt leicht nach Gras und Karamell.

In Deutschland bekommst du frischen Zuckerrohrsaft selten, denn dafür braucht es frische Stangen und eine Presse. Andere Küchen kennen dasselbe Getränk unter eigenem Namen: In Vietnam heißt es nước mía, in Ägypten asab. Unter diesen Namen kannst du in vietnamesischen und arabischen Imbissen deiner Stadt nachfragen.

Mate gelado gehört an den Strand von Rio

Mate kennst du vielleicht aus Argentinien oder als Chimarrão aus Südbrasilien, heiß aus der Kalebasse. In Rio de Janeiro trinkt man ihn anders: Aus gerösteten Mateblättern (chá mate tostado) wird ein Tee aufgebrüht, gesüßt und eiskalt serviert, oft halb und halb mit Limonade. Die Strandverkäufer schleppen ihn in Kanistern über den Sand. Seit März 2012 zählen die Verkäufer von Mate und Limonade aus dem Kanister offiziell zum immateriellen Kulturerbe der Stadt, zusammen mit den Verkäufern von Biscoito de polvilho.

Club-Mate ist etwas anderes. Die Limonade der Brauerei Loscher aus dem fränkischen Münchsteinach basiert zwar auf Mate, hat aber Kohlensäure und schmeckt deutlich anders als der Strand-Mate.

So machst du Mate gelado selbst (für 1 Liter):

  1. 4 EL (etwa 20 g) gerösteten Mate mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen und 5 Minuten ziehen lassen.
  2. Abseihen, 3 bis 4 EL Zucker einrühren und abkühlen lassen.
  3. Mindestens 2 Stunden kalt stellen und mit viel Eis servieren, dazu den Saft von 2 Limetten oder zur Hälfte Zitronenlimonade.

Findest du nur grünen Mate, röstest du ihn selbst: In einer trockenen Pfanne bei mittlerer Hitze 3 bis 4 Minuten rühren, bis die Blätter dunkler werden und nussig duften.

Cafezinho ist stark und meistens süß

Brasilien ist laut Deutschem Kaffeeverband seit Jahren der größte Rohkaffeeproduzent der Welt. Im Alltag trinkt man dort vor allem den Cafezinho, einen kleinen, kräftigen Filterkaffee aus Espressotassen. Er wird Gästen angeboten und nach dem Essen getrunken. Traditionell läuft er durch einen Stofffilter, den coador de pano, und viele Brasilianer süßen ihn kräftig. Manche geben den Zucker schon ins heiße Wasser.

So gelingt dir ein Cafezinho für 4 kleine Tassen:

  1. 250 ml Wasser erhitzen und kurz vor dem Kochen vom Herd nehmen.
  2. 25 g fein gemahlenen Kaffee in einen Stoff- oder Papierfilter geben. Das ist deutlich stärker dosiert als normaler Filterkaffee.
  3. Das Wasser langsam in kleinen Portionen aufgießen und den Kaffee sofort in vorgewärmte Tassen verteilen. Zucker nach Geschmack.

Einen Stofffilter spülst du nach dem Gebrauch nur mit heißem Wasser aus, ohne Spülmittel, sonst schmeckt der nächste Kaffee danach.

Batida mischt Cachaça mit Frucht und Kondensmilch

Batida kommt von bater, schlagen. Gemeint ist Cachaça, die mit Fruchtsaft oder Kokosmilch und Zucker oder gezuckerter Kondensmilch gemixt oder im Mixer aufgeschlagen wird. Beliebt sind vor allem Maracujá, Kokos und Limette.

Viele in Deutschland kennen den Namen aus dem Supermarkt. Die Flasche Mangaroca Batida de Côco ist allerdings ein Kokoslikör mit 16 % vol, laut Anbieter in der EU hergestellt. Mit einer frisch gemixten Batida an einer brasilianischen Strandbar hat er wenig zu tun.

Batida de maracujá für 2 Gläser:

  1. 100 ml Cachaça, 150 ml Maracujasaft, 80 g gezuckerte Kondensmilch und eine Handvoll Eiswürfel in den Mixer geben.
  2. Etwa 20 Sekunden mixen, bis alles schaumig ist, und sofort servieren.
  3. Für eine Batida de coco ersetzt du den Saft durch 150 ml Kokosmilch.

Batidas schmecken süß und mild, der Alkohol fällt kaum auf. Ein Glas enthält trotzdem 50 ml Schnaps.

So bekommst du brasilianische Getränke in Deutschland

Einiges findest du im normalen Handel, anderes nur in Fachgeschäften:

  • Guaraná Antarctica und Kuat: am ehesten in brasilianischen Lebensmittelläden, in lateinamerikanischen Läden und in Onlineshops für brasilianische Produkte. In brasilianischen Restaurants steht Guaraná oft auch auf der Getränkekarte.
  • Cachaça: Im Supermarkt stehen meist nur wenige Marken, die für Caipirinha gedacht sind. Gereifte Cachaça und Cachaça de alambique bekommst du im Spirituosenfachhandel und online. Achte auf die Bezeichnung Cachaça und Brasilien als Herkunft.
  • Mate: grüner Mate in Tee- und Bioläden, gerösteter Mate eher in brasilianischen Läden oder online.
  • Kaffee: Röstereien führen sortenreine Bohnen aus Brasilien. Regionsangaben wie Região do Cerrado Mineiro oder Alta Mogiana stehen auch in der Liste geschützter geografischer Angaben im EU-Mercosur-Abkommen.
  • Batida: Cachaça, gezuckerte Kondensmilch und Maracujasaft gibt es im Supermarkt. Mehr brauchst du nicht.
  • Caldo de cana: fertig kaum zu bekommen, frag nach nước mía.

Cachaça aus dem Urlaub mitbringen

Wenn du aus Brasilien zurückfliegst, darfst du laut Zoll ab 17 Jahren 1 Liter Spirituosen mit mehr als 22 % vol abgabenfrei einführen. Die Flasche muss mit dir reisen und für dich oder als Geschenk bestimmt sein. Alles darüber meldest du am roten Ausgang an und zahlst die fälligen Abgaben.

Häufige Fragen

Ist Cachaça das Gleiche wie Rum?

Nein. Beide stammen vom Zuckerrohr. Cachaça wird laut brasilianischer Getränkeverordnung aus vergorenem Zuckerrohrsaft gebrannt, hat 38 bis 48 % vol und muss aus Brasilien kommen. Rum entsteht nach derselben Verordnung aus einem Melassedestillat oder einer Mischung aus Melasse- und Zuckerrohrsaftdestillat und reift ganz oder teilweise in Eiche oder ähnlichem Holz.

Wie viel Cachaça darf ich aus Brasilien mitbringen?

Laut Zoll darfst du ab 17 Jahren 1 Liter Spirituosen mit mehr als 22 % vol abgabenfrei einführen, wenn du ihn selbst im Gepäck hast und er für dich oder als Geschenk gedacht ist. Was darüber liegt, musst du beim Zoll anmelden und versteuern.

Enthält Guaraná Koffein?

Ja, die Samen der Guaraná-Pflanze enthalten von Natur aus Koffein. Alkoholfreien Getränken mit Guaranásamen darf in Brasilien laut Dekret Nr. 12.709 weder synthetisches Koffein noch Koffein aus anderen Pflanzen zugesetzt werden.

Quellen

Diese Quellen liegen dem Text zugrunde.

  1. Presidência da República: Decreto nº 4.062, de 21 de dezembro de 2001 (Cachaça als geografische Angabe, abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) planalto.gov.br
  2. Presidência da República: Decreto nº 12.709, de 31 de outubro de 2025, Art. 22 § 7, Art. 53, 54, 56 und 240 (abgerufen 07.10.2026) (öffnet in neuem Tab) planalto.gov.br
  3. Europäische Kommission: EU-Mercosur Interim Trade Agreement, Text und Stand der vorläufigen Anwendung seit 1. Mai 2026 (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) policy.trade.ec.europa.eu
  4. Europäische Kommission: EU-Mercosur iTA, Annex 13-B, Geographical indications, Section 2 (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) circabc.europa.eu
  5. Instituto Brasileiro da Cachaça (IBRAC): Mercado Externo, Exportdaten 2022 (abgerufen 07.10.2026) (öffnet in neuem Tab) ibrac.net
  6. Generalzolldirektion: Reisefreimengen bei Rückkehr aus einem Nicht-EU-Staat (abgerufen 07.10.2026) (öffnet in neuem Tab) zoll.de
  7. G1: Vendedores de mate na praia agora são patrimônio do Rio, diz Paes (04.03.2012) (öffnet in neuem Tab) g1.globo.com
  8. Deutscher Kaffeeverband: Kaffeewissen, Handel (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) kaffeeverband.de
  9. Cheers2you, Onlineshop von Henkell Freixenet: Mangaroca Batida de Côco 16 % vol, Made in EU (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) cheers-to-you.de
  10. Wikipedia: Guaraná (portugiesisch, abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  11. Wikipedia: Guaraná Antarctica (portugiesisch, abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  12. Wikipedia: Kuat (portugiesisch, abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  13. Wikipedia: Chá mate (portugiesisch, abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org
  14. Wikipedia: Club-Mate (abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) de.wikipedia.org
  15. Wikipedia: Sugarcane juice (englisch, abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) en.wikipedia.org
  16. Wikipedia: Batida (bebida) (portugiesisch, abgerufen 28.09.2026) (öffnet in neuem Tab) pt.wikipedia.org

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